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Kochnotizen der Deutschordensritter

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Kartei: Kochbuch der Deutschordensritter

Quelltext


Aus der Küche der deutschen Ordensritter. Mitteilung von Archivrat Dr. Hermann Gollub (* 1888; † 1947)

Gollub: es soll den Titel „Königsberger Kochbuch“ erhalten, weil es im Königsberger Staatsarchiv aufbewahrt wurde und sehr wahrscheinlich auch in der hochmeisterlichen Küche benutzt wurde, die Ende des 15. Jahrhunderts in Königsberg war und dürfte kaum für den Gesamtorden repräsentativ gewesen sein.

Im Staatsarchiv zu Königsberg befindet sich unter den undatierten Schriftstücken des Ordensarchivs ein Heftchen in Kleinoktav-Format, das auf 12 Blättern 34 Kochrezepte enthält. Nach der Schrift zu urteilen, könnte dieses anscheinend älteste Kochbuch Ostpreußens in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts entstanden sein. Leider ist es nicht mehr vollständig. Zu Anfang wie zu Ende scheinen je 2 Blätter zu fehlen, und auch sonst weist es mancherlei Beschädigungen auf, die das Lesen oft sehr erschweren, manchmal sogar ganz unmöglich machen.

Im 4. Jahrgang des „Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit“ Spalte 81-3 hat Johannes Voigt bereits 1857 einige Rezepte aus diesem Büchlein veröffentlicht. Seine Bedeutung indessen als ganz eigenartige Quelle zur Kulturgeschichte der Ordenszeit lässt seine vollständige Wiedergabe wünschenswert erscheinen. Das Sprachliche tritt dagegen insofern etwas zurück, als es sich hier zweifellos nicht um ein Original, sondern nur um eine Abschrift von ausgesprochen oberdeutschen Vorlagen handelt.

Als eine solche Vorlage lässt sich z. B. das „Buch von guter Speise“ feststellen, das dem 14. Jahrhundert angehört, in der sog. „Würzburger Pergamenthandschrift“ der Münchener Universitäts-Bibliothek enthalten ist und in der „Bibliothek des literarischen Vereins in Stuttgart“, Bd. IX, 1844 veröffentlicht wurde, in beiden Schriften stimmen — meist wörtlich — überein: die ersten drei Rezepte unseres Kochbuchs (s. S. 119), ferner diejenigen, welche „Kungßhüner“ (S. 120), „Oie“ (S. 121), eine „Bastede“ (S. 122), ein „Salcz“ (S. 123), eine „Sahen“ (S. 123) betreffen. Ein eingehender Vergleich mit den übrigen zahlreichen Büchern dieser Art, wovon wohl Frankfurt a. M. die umfangreichste Sammlung besitzt, wird sicherlich auch die andern Quellen unseres Büchleins ermitteln lassen.

Hier muss man vielleicht etwas die Verflechtung zwischen Würzburg und den Deutschordensrittern betrachten. Gollub siedelt das Kochbüchlein der Deutschordensritter rund 100 Jahre später an, als das Leone Buch. Dem möchte ich nicht folgen. Ich gehe so weit, dass ich sie zeitgleich stelle. Andererseits folge ich der These, das Fragment könnte eine Abschrift oder Niederschrift sein. Auffallend ist für mich die schlecht verständliche Sprache. Vielfach stimmt die Logik in den Abläufen nicht.

Für mich ist weiter immer wieder der Verbleib des Hausbuches von Bedeutung. Der Leone Hof wurde nach 1400 verkauft und mit ihm der Verbleib des Hausbuches ungeklärt. Wenn das Büchlein der Deutschordensritter nach 1450 von Gollub angenommen wird, muss der Schreiber des Originals bereits vor dem Verkauf des Leone Hofes Zugang zum Hausbuch gehabt haben, oder aber, wenn eine engere Verbindung bestanden hat, war das Hausbuch evtl. vorübergehend im Besitz der Deutschordensritter Würzburg.


Hier nun aber das erhaltene Fragment. Den Quelltext kann man online nachlesen.

01.LebersoßeKalbsleber, Eier, Zwiebeln
02. Ein Mörserkuchengebratenes Hühnerfleisch, Weißbrot, Eierteig, Safran, Pfeffer, Butterschmalz
03.Gefüllte HechteHecht, Fischfleisch, Salbei, Pfeffer, Kümmel, Safran, Salz
04.gebackene ApfelscheibenApfelscheiben, Ausbackteig
05.Gallert von FischenHecht, Lauch, Zucker, Essig
06.Eine gefüllte Leber mit EiernLeber, Speck, Weinbeeren, Kalbsnetz, Eidotter, Petersilie
07.Willst du Wildbret von Rindfleisch machenKalbschwanz, Eier, Brot,
08.LungenklößchenLunge, Speck, Eidotter, Petersilie
09.Grüne Hühnersulz Nimm Aspik, Hühnerbrühe, hacke Petersilie klein, nimm Essig und Wein, würze gut, gieße sie über Fleisch oder worüber du willst.
10.Weiße gebratene HühnerNimm Eiweiß, ein wenig Mehl darunter rühren und die Hühner damit begießen, gibs wieder zu dem Feuer.
11.Grüne HühnerDie Hühner mit einer Mischung aus gehackter Petersilie, ein wenig Mehl und Eiern bestreichen und dann wieder zu dem Feuer geben.
12.Schwarze HühnerLebkuchen, Pfefferbrot, Eier, Nelken
13.KönigshühnerHühner, Eier, Ingwer, Safran, Salz
14.aus einem Aal zwei machenAal, Salbei, Petersilie, Pfeffer
15.Willst du machen einen EierkuchenEier, Petersilie,
16.HirschcornHirn, Honig, Lebkuchen
17.Sulz in dreierlei GestaltHausenblase, Mandelmilch, weiß, gelb, grün
18.Grünes von HuzellenHonig, Wein, Brrr, Zimt
19.Eine gute PasteteFisch, Petersilie, Salbei, Peffer, Ingwer, Zimt, Safran, Wein
20.Ein MörserkuchenSemmelwürfel, Eier, Muskat, Macis, Safran, Hühnerfleisch oder Innereien
21.Ein MörserkuchenSemmel, Eier, Safran, Macis
22.Bratwurst in der FastenFeigen, Lebkuchen, Straubenteig von Wein
23.Gepressten Schweinskopf machenFisch
24.Knoblauchsalsereibe Knoblauch mit Salz, die zehen schäle und menge 6 Eier ohne das Eiweiß darunter und ein wenig Wassers, so wird es ein gutes Sulz.
25.Salse zu weißen Hühnernnimm Weinbeeren, stoße sie klein und nimm den besten Wein, schlage es durch mit guten Gewürzen.
26.Salse zu roten Hühnernso nim Petersilie und Essig und treibe es durcheinander.
27.Salse zu schwarzen Hühnernso nimm gleichviel Mandeln und Weinbeeren und schlags durch mit Essig und Wein.
28.Salse zu Rinderbratenso nimm Aschlauch und stoße sie mit Salz und menge ihn mit Wein oder Essig und drücke den Saft aus. die Salse ist gut zu Rinderennbraten.
29.Salse von LebzeltenPfefferbrot, Zimt, Wein, Pfeffer, Ingwer
30.Agrazso nimm Weintrauben und saure Äpfel und stoße es zusammen, menge es mit Wein oder mit Essig. die salse ist gut zu saftigem Braten und zu Fischen.
31.KrautKraut, Senf, Honig, Kümmel
32.Kross EierEier, Petersilie, Butterschmalz


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