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Kategorie:Kochbuchautoren
Von Verlagsphantomen und Lohnschreibern:
Die plagiierte Geschichte des Kochbuchs
Seit sich das Kochbuch als eigenständiges Genre von den mittelalterlichen Miszellanhandschriften emanzipiert hat, regiert im kulinarischen Verlagswesen das Trio Infernale: Verleger, Lohnschreiber und die schlichte Urheberrechtsverletzung. Wer die vermeintlich „großen Autoren“ der Geschichte waren, bleibt oft ein Rätsel. Seit dem Aufkommen des Buchdrucks im 16. Jahrhundert ist die Geschichte der kulinarischen Literatur vor allem eine Geschichte des intellektuellen Diebstahls, der schamlosen Kompilation und des literarischen Raubrittertums. Kurz gesagt: Es wurde kopiert, was die Druckerpressen hergaben.
Diese systematische Aneignung fremden Gedankenguts bewegte sich in einer rechtlichen Grauzone – moralischer Bankrott, doch mangels moderner Urheberrechtsgesetze kaum sanktioniert. Diese legalisierte Betrugspraxis führte zu einer tiefen epistemischen Krise: Echte, originäre Kochbücher gingen in einer Flut von Plagiaten unter. Besonders kurios – oder vielmehr grotesk – ist das Phänomen der literarischen Totenauferstehung. Längst verstorbene Autorinnen schufen noch ein halbes Jahrhundert nach ihrem Ableben munter „aktualisierte“ Neuauflagen, die sie laut Verlag angeblich selbst betreuten. Prominente Beispiele dieses nekromantischen Marketings sind Anna Sophie Wilhelmine Scheibler (verstorben ca. 1826), deren »Allgemeines deutsches Kochbuch« noch 1923 verlegerisch von ihr „betreut“ wurde, oder Henriette Davidis.
Für die heutige buchwissenschaftliche Forschung ist diese Quellenlage ein Albtraum: Die Grenze zwischen realer historischer Person und reinem Verlagsphantom ist oft vollständig verwischt. Die Vorstellung, es gäbe unberührte „Urschriften“, ist ein bibliophiler Mythos. Weder »Das Buch von guter Speise« (um 1350) noch das vermeintliche Jahrhundertwerk der Henriette Davidis (Erstauflage 1845) halten einer Plagiatsprüfung stand. Das Davidis-Buch war bereits bei seiner Erstveröffentlichung zu rund 95 Prozent ein Plagiat. Die vermeintliche Starköchin des 19. Jahrhunderts nutzte ihre Freizeit schlichtweg dazu, die Werke von Sophie Armster (deren Kochbuch bereits 1828 in Stade erschien) und der Scheiblerin (Erstauflage 1815) zeilenweise abzupinseln.
Diese Kategorie betreibt literarische Dekonstruktion. Wir klären auf: Wer war eine reale historische Person, wer bloßes Marketing-Phantom? Wer hat bei wem abgeschrieben, und welchen materiellen Wert besitzen diese Plagiate auf dem heutigen Antiquariatsmarkt überhaupt? Spoileralarm: Die meisten antiquarischen Bände sind das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt wurden. Dass neuzeitliche Verlage wertlose Reprints für horrende Summen auf den Markt werfen, ist die Fortsetzung dieser historischen Täuschung mit modernen Mitteln. Selbst etablierte antiquarische Kataloge reproduzieren diese Mythen ungeprüft. Warum also viel Geld für ein historisches Plagiat mit verlogenem Autorennamen ausgeben? Die Wissenschaft rät: Suchen Sie lieber nach dem Original.
Autorenliste
- Verlagsphantom Aabel, Maria
- Acton, Eliza
- Ada Boni
- Verlagsphantom albrecht_sophie
- Allestein, Emma
- Verlagsphantom Amelung, Leopoldine
- Ansion, Kunigunde
- Anthimus
- Verlagsphantom Apel, Louise
- Appert, Nicolas Francois
- Verlagsphantom Arnold, Marie
- Artusi, Pellegrino
- Athenaios
- Augspurg, Anita
- Babinski, Henri
- Barnekow, Anna
- Baumann, Caroline
- Beauvilliers, Antoine
- Beck, Fanny
- Beeg, Marie
- Beeton, Isabella Mary Mayson
- Bergner, Anna
- Betty Bossi
- Biedenfeld, Eugenia
- Bimbach, Julie
- Bock, Hieronymus
- Böckler, Georg Andreas
- Bohrer, Crescentia
- Kündig-Bosshard, Anna
- Braun, Katharina
- Brillat-Savarin, Jean Anthelme
- Baron Brisse
- Brunfaut, Eugen
- Buchinger, Bernardin
- Buchmeier, Marie
- Büchner, Chr.
- Bußwald, Maria Anna
- Coccejus, Johannes
- Coppenrath, Alfred
- Crocker, Betty
- Curnonsky, Maurice Edmond Sailland
