Deutsche historische Genusswelt

Culinary History der deutschen Küche

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rezeptbuch:anna_wecker:mandelmilch

Rezeptzettel:Mandelmilch


Eine Mandelmilch mache so:

Für einen Liter Mandelmilch nimm 200 g, oder wenn du sie gern kräftig hast, 500 g, gute süße frische Mandeln. Lege sie in heißes Wasser. Sobald sie sich schälen lassen, ziehe die braune Haut ab und gib die Mandeln in frisches Wasser. Stampfe oder stoße sie in einem steinernen Mörser, mit einem hölzernen Stößel aufs allerkleinste. Verwende keinen eisernen Stößel, sonst werden sie nicht nur schwarz, sondern auch bitter. Während des Zerstoßens besprenge die Mandeln mehrmals mit Rosen- oder anderem Wasser, sie werden sonst ölig und schwarz. Nimm nicht zu viel Wasser, denn wenn sie zu nass werden, lassen sie sich nicht mehr fein zerstoßen. Sie müssen aber rein und zart sein. Es ist sonst nicht allein unnütz, sondern sie geben ihre Kraft auch nicht ab, wie sie sollen.

Willst du die Mandelmilch nun zum Kochen brauchen, so nimm frisches Wasser oder Milch, reibe die Mandeln im Mörser, stecke einen Nussmilchbeutel in einen Becher, gib die Mandeln darein, reibe ein wenig mit einem Löffel hin und her, fasse das Tuch zusammen und wringe sie aus so fest du kannst.

Willst du es aber für einen Kranken, sei es zum Kochen oder trinken, so koche die Mandeln zuvor zugedeckt in einem Topf. Gib guten Weizenschrot, Weizenkleie oder wie es an etlichen Orten heißt, Grieß oder ein Stück Weißbrot, Rosinen, etwas ungestampfte Gerste, eine Hand oder eine halbe voll, und koche alles zusammen in dem Wasser für mehr Stärkung. Wenn jetzt das Wasser genug gekocht hat, nimm 2 g Zimt, mehr oder weniger, brich den Zimt in kleine Stücke, lege sie in das noch kochende Wasser. Nimm es vom Feuer und lasse es bedeckt erkalten. Entferne dann die Zimtstückchen.

Wenn du möchtest dass es stopft, bei Durchlauf, so gib guten Zimt darein. Ebenso rote Rosenblätter, Quittten, Quittenmus. Nimm das was im Tuch bleibt, wenn man Quittensaft macht.

Bei Brustsuchten koche Anis, Fenchel, Rosinen, Feigen, Süßholz, Brustbeeren (Jujube) und solche Sachen. Zum Trinken mische Veilchensirup, Rosenhonig oder Kandiszucker darein.

Bei Magenschwäche nimm Quittensaft, Weinbeersaft darunter, das ist sehr gut. Wenn du willst, dass es abführt, dann besprenge die Mandeln beim Stoßen nicht, denn, je öliger desto besser. Man stößt auch etwas, wenn große Hitze ist, bei starkem Fieber, Pestilenz, nimm Melone, Gurke, Kürbiskerne, weißen Mohnsamen, Lattichsamen, welche den Schlaf bringen, unter die Mandeln. Etwas geriebene Perlein, geriebene gute Goldblätter, es dient für Winde. Insbesondere bei jungen Kindern, den Lungensüchtigen und Abnehmenden ist die Geißmilch anstelle von Wasser besser, sei es zum Trinken oder zum Kochen.

Wenn du nun die Mandelmilch so bereitet hast, gib sie in eine saubere Kanne oder steinernen Krug, der nach dem Ausschwenken gut ausgetrocknet wird, dass kein Wasser darin bleibt. Stelle es an einen kühlen Ort, und wenn du davon etwas brauchen willst, so schütte es zuvor in einen sauberen Becher oder ein Glas aus und ein, dann sieht sie aus wie andere Milch und ist letztlich doch nichts anderes als Wasser. Du sollst auch nach dem Trinken das übrig gebliebene nicht wieder in die Kanne oder Krug zurückschütten. Es macht die Mandelmilch sauer und gerinnt.

Wenn du richtig Acht darauf gibst, wirst du dich bei allen Krankheiten mehr nach geschriebenen gekochten zu halten wissen. Du kochst es vorher mit Wasser oder Milch. Man kann auch einer Kindbetterin, die schwach ist und nichts essen mag, Durst hat und schlecht stillt, zu viel oder zu wenig Milch hat, eine Mandelmilch geben und den Kindern, so sie das Wasser gewohnt sind, mag man die Mandelmilch mit frischem Wasser machen und gut zuckern. Bei großer Hitze ist es ebenfalls dienlich.

Und obwohl bei vielerlei Krankheiten die Mandelmilch, oder was davon gekocht wird, stopft, so ist sie doch für geschwächte Leute nützlich. Ich habe für einen jeden, für den es vonnöten ist und der diese Ursachen hat, wie man die Mandelmilch bereiten soll, zum Eingang dieses Buches gesetzt, als einen Wegweiser in allen Dingen.

Ich habe mir auch wohl eine solche Milch mit allerhand destillierten Wassern, so dass es Herz und Haupt stärkt, reinigt und innerlichen Geschwülsten dient, zugerichtet. Bei Kranken, die etwa solche Sachen nicht brauchen, muss man sehen, wie man es vor ihnen verberge.

Anmerkung: Mandelmilch ist keine Milch. Der Name ist abgeleitet vom Aussehen des Mandelwassers, das milchig erscheint. Sofern keine Milch verwendet wird, ist Mandelmilch milchig aussehendes Wasser. Die Mandelrückstände können weiter verwendet werden für Desserts, Gebäck und Kuchen. Weinbeerwasser hat keine feste Definition. Man kann darunter Verjus aus grünen unreifen Weinbeeren verstehen, das Einweichwasser von Rosinen oder Zibebenwasser. Zibeben sind an der Rebe vertrocknete blaue Trauben mit Kern, die mit Wasser und etwas Zitronenschale weich gekocht werden. Was gemeint sein könnte, erschließt sich nur aus dem Text.

  • 200 g Mandeln, abgezogen
  • 500 ml Flüssigkeit
  • Aroma, wenn gewünscht
  • kein Zucker

Die Mandeln können getrocknet werden im Ofen, müssen es aber nicht. Man gibt das Wasser, oder eine andere Flüssigkeit, in einen Blender, gibt die Mandeln dazu und püriert die Mandeln. Die Flüssigkeit wird sofort weiß. Je nach Bedarf und weiterer Verwendung können die Mandeln feiner oder gröber püriert werden.

Anschließend gibt man die Flüssigkeit auf ein Tuch (feine Gaze) und läßt die Masse ablaufen. Das Tuch kräftig auswringen. Die trockene Mandelmasse aufheben, sie kann weiter verwendet werden für Kuchen, Pudding oder wie beliebt.

Anna Wecker: Ein köstlich new Kochbuch

rezeptbuch/anna_wecker/mandelmilch.txt · Zuletzt geändert: 2024/03/25 15:08 von 127.0.0.1