Inhaltsverzeichnis
Dieteticon des Meister Eberhart
Das „Kochbuch“ des Meister Eberhard aus Landshut ist eine Zusammenstellung von einigen mittelalterlichen Kochanweisungen, 3 Kapiteln aus »Physica« der Hildegard von Bingen und Ausführungen des Arztes Konrad von Eichstädt. Von den Kochanweisungen hat der Kompilator 5 aus dem »Buch von guter Speise«
Die Sammelhandschrift, in der die Kochanweisungen des Magister Eberhard zu finden sind, befasst sich hauptsächlich mit medizinischen Themen aus dem Mittelalter. Der Kompilator bezeichnet sich als »Meister Eberhart«, ist kein Koch und hatte wohl auch mit dem Bereich Ernährung direkt wenig zu tun. Das Meister steht hier nicht für Küchenchef sondern für Magister. Im laufenden Text sagt der Kompilator, Eberhard sei Koch am Landshuter Hof. Melitta Weiss-Amer, Kanada, hat sich sehr intensiv mit der Dissertation von Anita Feyl (1963) beschäftigt, die wesentliche Textstellen des »Rezeptbuches« von Eberhart ignorierte. Man muss nicht betonen, dass es sich nicht um ein Rezeptbuch handelt. In der Sammelhandschrift geht es ausschließlich um Humoralpathologie in Verbindung mit Ernährung. Eberhart mischte deutsch mit Latein, was Anita Feyl ignorierte. Gerade diese Textstellen machen jedoch den Sinn des Buches aus.
Wer sich ausführlich mit dem Text der Sammelhandschrift beschäftigen möchte, der kann das über die Webseite von Prof. Thomas Gloning oder der Uni Graz tun. Die Handschrift ist zu finden: Augsburg, Universitätsbibl., Cod.III.1.2°43. Grundsätzlich wird der lateinische Text bei den Übertragungen nur abgeschrieben. Ich habe versucht, die lateinischen Textpassagen zu übersetzen um sie verständlich zu machen.
Inhalt der Sammelhandschrift
- Bl. 2r-3r = ‚Korpus der Klostermedizin‘, darin:
- Bl. 2r/v = ‚Secretum secretorum‘, dt. (Auszug)
- Bl. 3r-4v =‚Meister Alexanders Monatsregeln‘
- Bl. 4v-32v = dt. / lat.: u.a. Rezepte, Melissentraktat und Kardobenediktentraktat (Bl. 12r), Zaubersprüche, Wundarznei ohne erkennbare Ordnung
- Bl. 33r-34v = Medizinische Wasser
- Bl. 34v = Sechs Heilpflanzen (dt. / lat.)
- Bl. 35r-36v = Medizinische Rezepte gegen Stein
- Bl. 36v-37v = Branntweintraktat
- Bl. 37v = Heilkraft des grünen Kalamus
- Bl. 38r-47v = Ortolf von Baierland: ‚Arzneibuch‘ (Auszüge)
- Bl. 48r-52v = Heilpflanzen (dt. / lat.): Bäume, Kräuter
- Bl. 52v-55v = Kräuterbuchkompilation u.a. aus ‚Macer‘, dt. (Vulgat-Fassung) (A2)
- Bl. 56r-58v = Auszüge aus den pseudo-aristotelischen ‚Problemata physica‘ (lat.)
- Bl. 59r-60v = Eberhart von Landshut: ‚Kochbuch‘ [es fehlt ein Blatt, das vielleicht weitere Kochrezepttexte enthalten haben könnte]**
- Bl. 60v-69r = Nahrungsmitteldiätetik (dt./lat.) aus Konrad von Eichstätt: ‚Regel der Gesundheit‘
- Bl. 69r-70r = Medizinische Öle aus der Freiberger Arzneimittellehre
- Bl. 73r-79r = Meister Albrant: ‚Roßarzneibuch‘
- Bl. 79v-83v = Salben- und Pflasterrezepte
Melitta Weiss-Amer hat 3 Quellen des Kompilators entdeckt, die er zur Anfertigung seines Textes benutzt hat. Er verwendete das Wissen des Arztes Konrad von Eichstädt (Hauptquelle 13. Jahrhundert), Hildegard von Bingen, Breslauer Arzneibuch, Regel der Gesundheit. Weiss-Amer bescheinigt dem Kompilator gute Kenntnisse in deutsch und latein, denkt, er sei Autor und Übersetzer gewesen, hatte eine sehr gute Bildung jedoch nicht zwingend eine medizinische Ausbildung. Darüber hinaus arbeitete er aber mit bereits übersetzten Texten. Warum sich deutsche Texte und lateinische Abschriften mischen ist unerklärt. Man könnte vermuten, Eberhard wählt einen seichten Einstieg für das „einfache“ höhere Volk und alles andere dann in lateinisch.
Hinsichtlich des Auftraggebers ist alles offen. Ob der Herzog von Landshut die Gesundheitssammlung in Auftrag gegeben hat oder der Kompilator selber handelte ist nicht beweisbar. Ein Kollege von Weiss-Amer kritisierte, dass Feyl das Entstehungsjahr des Eberhard Traktates zu spät ansetzt. Er verortet es im ausgehenden 14. Jahrhundert. Wenn es so wäre, kann der Auftraggeber nicht mehr Herzog Heinrich XVI. gewesen sein, sondern nur sein Vater. Dies käme zusammen mit der Legende, dass Herzog Heinrich XVI. ein Fehltritt seiner Mutter war. Wir waren nicht dabei und so oder so bleibt alles Spekulation.
Nachfolgend versuche ich ein Glossar, da die alte Sprache wenig geläufig ist, der Text Übersetzungsfehler enthält und Eberhard scheinbar Dialekt sprach. Weiter unterteile ich den Inhalt in Themengebiete wie es Eberhard auch tat.
Themen des Buches von Eberhard
- Hiernach folgen einige Rezepte und Heilmittel von mancherlei Dingen zusammengesammelt
- Küchentipps
- Hiernach folgt von den Meister Eberhart:Küchenspeisen, wofür sie gut sind.
- Gemüse, Obst
- Hiernach folgt ein Kapitel von den Fischen
- Hiernach folgt ein Kapitel von den Getränken
- Nachspeisen und Reihenfolge bei Tisch
- Hiernach folgen etliche Öle
Übersetzung zum Eberhart Buch
Sammlung mittelalterlicher Ausdrücke , Dialektbegriffe und Worte
| Buch Eberhart | Übersetzung | |
|---|---|---|
| Purgatz | Eine Abführ- und Reinigungskur (Purgierung) zur Herbstzeit gegen alle Gebrechen. | |
| hieffen | Hagebutten | |
| vom Reif (Frost) gut bezwungen | weich gemacht | |
| hiffenmark oder Buttemus | Hagebutten-Latwerge | |
| merrech | Meerrettich Salse von Meerrettich | |
| Lactuken | Lattich/Salat | |
| Agrest | der saure Saft unreifer Weintrauben | |
| Entschließung des Leibes | das sanfte Öffnen und Reinigen der Ausscheidungsorgane | |
| cucurbite | Kürbisse | |
| farina ordeacea | Gerstenmehl | |
| Salse | Soße | |
| arbeissen | Erbsen | |
| holdermus | Holundermus | |
| wellig | bedeutet hier sämig, wallend oder kochend | |
| per visch | Barsch oder Bärfisch, allgemein in Essig eingelegte Fischstücke | |
| meyscher kuchen | Maikuchen, Mörserkuchen | |
| gespoet | mittelalterliche Urform des Käsefondues oder gerührtes Ei mit Käse/Frittata | |
| morchen | Weihnachtsgebäck | |
| gerunten eyern | geronnenes/gestocktes Ei | |
| lindenn strauben teick | flüssiger Straubenteig | |
| gestrocztes gepachens | Vorform des Trichterkuchens, Straubengebäcks oder der Schneeball-Gebäcke | |
| wurtz/ würtz | Gewürze, würzen | |
| Milchkuchen | Einlage für Flädlesuppe oder ein Schmarrn | |
| aleo | Knoblauch | |
| bibenella | Küchenkraut Pimpernelle/ kleiner Wiesenknopf | |
| tunde | zerstoße | |
| an die stat | auf der Stelle | |
| ein guttenn wal thun | einmal kräftig aufwallen lassen | |
| swartz fisch | Vorläufer des Karpfen blau, schwartz steht für dunkelblau | |
| predenn oder bräden | bräden bedeutet braten, predenn kommt vom althochdeutschen Substantiv brâto, was ursprünglich „bloßes Fleisch“ oder „Muskelfleisch“ bedeutete | |
| mus, muos, Gemuos | Mus/Brei/Püree oder auch Speise/Gericht | |
| bulire, | kochen/sieden | |
| lawters gestanndenn | klares Gelee, durchsichtig Gestandenes | |
| auff halben wogk | bei mittlerer, sanfter Hitze bzw. wellenartiger Bewegung [halber Woge] köcheln lassen | |
| Erclaub in wol | (klauben) den Fisch zerpflücken, von Haut und Gräten befreien | |
| Schmalz | im Mittelalter ist immer Butterschmalz gemeint | |
| Schmalz vom Schwein | oder Schweinefett. Das was wir auch heute noch darunter verstehen. | |
| süße Milch | ||
